Warum das elektronische Patientendossier (EPD) derzeit keinen Durchbruch erzielt

Das elektronische Patientendossier (EPD) der Schweiz wird den Austausch von Patientendaten zwischen Gesundheitsfachpersonen verbessern. Es wird seinen Beitrag zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen leisten und im Hinblick auf die digitale Transformation den Fokus auf Daten legen. Patienten können so von einer höheren Behandlungsqualität profitieren. Das Gesundheitswesen profitiert von einem geringeren Administrationsaufwand. Die Potentiale können nur dann realisiert werden, wenn Patienten ein EPD eröffnen.

Seit 2022 kann die Schweizer Bevölkerung ihre EPDs eröffnen. Bis heute wurde dies von weniger als 1% gemäss eHealth Suisse getan. Werden weiterhin etwa 30’000 EPDs pro Jahr eröffnet, dann wird unsere Generation die eingangs beschriebenen Mehrwerte nicht mehr erleben. Das EPD kommt nicht voran. Was sind mögliche Ursachen dafür ?

Aktuell bietet das EPD für Patienten keinen unmittelbaren Mehrwert. Gesundheitsfachpersonen hingegen profitieren von einem reduzierten Administrationsaufwand. Zur Eröffnung des EPDs benötigt ein Patient im Durchschnitt 30 Minuten. Je nach Kanton können Kosten hinzukommen. Nach der Eröffnung stellt der Patient sicher, dass Gesundheitspersonen auf seine Daten zugreifen können. Ohne EPD erfolgt der Austausch von Patientendaten direkt zwischen den einzelnen Akteueren im Gesundheitswesen. Das führt zu entsprechend höherem administrativen Aufwand, aber auch zu geringerer Datenqualität mit all ihren Folgen.

Patienten stellen sich die Frage: “Warum soll ich Aufwand und mögliche Kosten für die Eröffnung eines EPD auf mich nehmen, wenn für mich daraus kein unmittelbarer Mehrwert entsteht ?”. Der Erfolg des EPDs entsteht und fällt mit seiner Verbreitung. Aktuell ist die Verbreitung sehr gering und Aussichten auf signifikante Verbesserungen sind nicht erkennbar. Was würde sich positiv auf die Verbreitung des EPDs auswirken ?

Das EPD würde sich signifikant schneller verbreiten und damit auch Mehrwert für alle Beteiligten bieten, wenn es den Patienten unmittelbaren Mehrwert schafft. Diese würden davon profitieren wollen und den Aufwand für die Eröffnung in Kauf nehmen.

Ein EPD, mit dem ich als Patient meine Behandlungstermine verwalten kann, den Impfstatus für Reisen kontrollieren und meinen Hausarzt kontaktieren kann, würde unmittelbaren Mehrwert generieren. Wie könnte Patienten unmittelbarer Mehrwert geboten werden ? 

Um Ergebnisse dieser Art zu erreichen, ist eine kundenzentrierte Ausrichtung unerlässlich. Der Patient als ‹enabler› des EPD muss dabei im Zentrum stehen. Er ist der Schlüssel zum Erfolg, da die Eröffnung des EPD von seiner Entscheidung abhängt. Nur durch ihn kann das EPD Mehrwert für alle Beteiligten ermöglichen. Kundenzentrierung ist kein Marketing- oder Verkaufsansatz. Sie gilt als Kultur, die den Kunden ins Zentrum allen unternehmerischen Handelns stellt. Für den Erfolg des EPD ist Kundenzentrierung mit Fokus auf den Patienten unausweichlich.

Stellen wir den Patienten ins Zentrum, profitieren alle von den Vorteilen des EPD.

Pressekontakt: Möbius Consulting GmbH | Ansprechpartner: Thoralf Möbius | Telefon: +41 79 255 6820|  E-Mail: thoralf.moebius@moebius-consulting.ch | Website: moebius-consulting.ch

Quellen:

Aktueller Stand des EPD in der Schweiz. (n.d.). eHealth Suisse. Retrieved September 24, 2024, from https://www.e-health-suisse.ch/koordination/elektronisches-patientendossier/aktueller-stand

Die Bevölkerung der Schweiz ist 2023 stark gewachsen. (2024, April 4). Der Bundesrat admin.ch. Retrieved September 24, 2024, from https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-100595.html

Odermatt, M. (2024, March 31). Gesundheit – Nur begrenztes Interesse für das elektronische Patientendossier. SRF. Retrieved September 24, 2024, from https://www.srf.ch/news/schweiz/gesundheit-nur-begrenztes-interesse-fuer-das-elektronische-patientendossier